Lehrstellen nur „Schall und Rauch“?

DGB-Jugend in Oldenburg überprüft die Lehrstellenstatistik der IHK – IHK: Dessen bedarf es nicht

OLDENBURG (OFF). In der zweiten Juliwoche hat die DGB- Jugend Oldenburg-Wilhelmshaven die als frei gemeldeten Stellen der Oldenburger Industrie- und Handelskammer anhand einer Stichprobenanalyse ausgewertet. Der DGB Jugendbildungsreferent Matthias Ammer zeigte sich anschließend verwundert: „Erstens sind sehr viele der ausgeschriebenen Stellen erst für das nächste und nicht für das nun beginnende Ausbildungsjahr verfügbar. Zweitens bietet die Industrie- und Handelskammer auf ihrer Internetseite Ausbildungsplätze an, von denen bereits viele vergeben sind.“

So wurden mit Stand 7.7. - 8.7.2011 bei der Industrie- und Handelskammer Oldenburg 183 Ausbildungsplätze angeboten. Nun zeige sich, dass von diesen Stellen 50 erst für das kommende Ausbildungsjahr 2012 angeboten werden. Somit bleiben für 2011 lediglich 133 Ausbildungsplätze. Bei 80 dieser Angebote haben DGB Mitarbeiter persönlich angerufen und im Betrieb nach dem Ausbildungsplatz gefragt. Dabei stellte sich heraus, dass deutlich mehr als die Hälfte der Ausbildungsplätze bereits vergeben war.

Matthias Ammer bezeichnete das Ergebnis als Skandal und fordert die Industrie- und Handelskammern auf, ihre tatsächlich freien Ausbildungsplätze an die Bundesagentur für Arbeit (BA) zu melden. „Dort werden die Plätze professionell vermittelt. Außerdem würde es eine größere Übersichtlichkeit geben, wenn alle Anbieter ihre freien Plätze an die BA weitergäben.

Michael Bruns, Referent für Öffentlichkeitsarbeit bei der Oldenburgischen IHK, kann die Ausgangzahlen des DGB nicht nachvollziehen.

„Was für dieses und nächstes Jahr angeboten wird, ist in der Börse eindeutig gekennzeichnet und kein Geheimnis, das der DGB-Recherche bedürfte.“, stellt er gelassen fest. Und weiter: „Die Lehrstellenbörse basiert auf Angaben der Unternehmen. Eingaben und Streichungen werden nach Firmenangaben laufend von uns als IHK vorgenommen. Um weitgehende Aktualität der Börse zu gewährleisten machen wir außerdem bewusst folgendes: sobald ein Ausbildungsvertrag abgeschlossen ist und von uns registriert wird, wird der Eintrag aus der Internetbörse entfernt.“

Den grundlegenden DGB-Vorwurf, die IHK würde die "Lehrstellenbilanz bezeichnet er als abwegig. Die Ausbildungsbilanz ist zum Halbjahr längst positiv mit einem Plus von 5,6 Prozent von neuen bereits vorliegenden, unterschriebenen und eingetragenen Lehrstellen im Vergleich zum Vorjahres-Halbjahr - unabhängig davon, wie viele Lehrstellen jetzt der ganz genauen Zahl nach noch frei sind.“

Und schließlich betont Bruns: „ Die Eintragung in unsere Börse geschieht auf Wunsch der Firmen, d. h. sie allein entscheiden, ob sie es (auch) der Arbeitsagentur melden oder nicht.“