„Wir sind nur der Proberaum“

Existenzgründungsberatung in Oldenburg und Delmenhorst macht fit für „die Bühne“

<off> „Nach mehr als 20 Jahren Praxis konnte ich die Hilfe schon gut gebrauchen.“, gesteht Sandra Martens und meint die Unterstützung der „Existenzgründungs-Agentur für Frauen“ (EFA). „Vor allem die schriftliche Ausarbeitung des Business-Plans – da stand ich schon etwas hilflos vor.“ Hilfe aber hielt Jutta Beraterin Dehoff-Zuch bereit. Offenbar erfolgreich, denn vor zwei Wochen feierte Sandra Marten mit ihrem delmenhorster Ladenlokal „Schöner Schenken“ ihr Einjähriges.

Auf Delmenhorst aber beschränkt sich die Hilfe der Gründungsagentur nicht.  Die EFA ist ein interkommunales Projekt der Städte Oldenburg, Delmenhorst und des Landkreises Oldenburg. Neben regelmäßigen Veranstaltungen, den Fachgesprächen und  Sondersprechtgen legt die Agentur unter Jutta Dehoff-Zuch besonderen Wert auf die persönliche Beratung.

Am Anfang steht also stets ein ausführliches und – wie Jutta Dehoff-Zuch betont, ergebnisoffenes Gespräch. „Wir können und wollen keine Frau zur Selbständigkeit zwingen!“ Und so geht es in den Beratungsgesprächen zunächst um die für beide Geschlechter wichtigen Fragen wie die Entwicklung der Geschäftsidee und deren Finanzierung. Wenn es jedoch um die persönliche Situation der Existenzgründerin in spe geht, werden die Themen frauenspezifisch. „Für Frauen spielt die Familie und deren Betreuung immer noch eine größere Rolle als für Männer“, berichtet sie aus ihren Erfahrungen, die in der Agentur seit 1998 gesammelt wurden.

„Tja – und dann sind Frauen oft bescheidener als Männer“, gesteht Dehoff-Zuch und denkt dabei zum Beispiel an die Präsentation der Gründungsidee bei einer Bank. „Wir sind gewissermaßen der Proberaum, das Bankgespräch ist dann die Bühne.“ Solche Gespräche werden regelrecht geprobt.

Jutta Dehoff-Zuch sieht auch nach 13 Jahren bei EFA Beratungsbedarf. Denn immer noch seien Frauen in selbständigen Tätigkeiten unterrepräsentiert. „Aber sie müssen das Ruder selbst in die Hand nehmen.“ Auch wenn ihnen ein wenig mulmig zumute ist. Dehoff-Zuch erinnert sich an eine Klientin, die beim ersten Gespräch sagte: „Mir ist, als stecke ich in einer Jacke, die mir zu groß ist.“ Umso mehr freute die Beraterin sich über den Anruf: „Jetzt passt mir die Jacke!“